Kritische Stimmen

Gunter Gerlach, Stellvertreter der Wut

“Autos waren eine technische Fehlentwicklung. Sie waren die Lemminge der Überbevölkerung. Ohne sie wäre die rasche wirtschaftliche Entwicklung in vielen Ländern nicht möglich gewesen, aber mit ihrem Ressourcenverbrauch schoben sie die Menschheit vor sich auf den Abgrund zu.” (Gerlach, Gunter. Stellvertreter der Wut, S. 27)

Richard Lutz, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn

„Die Automobilindustrie träumt ja von E-Mobilität als Zukunftsvision, bei uns ist das seit 90 Jahren gelebte Praxis.“
Im Interview im DER SPIEGEL Nr. 29 / 13. 7. 2019

Stephan Rammler

„Ich kann das alles kaum noch ertragen“, sagt Stephan Rammler, „diese Umweltverpestung, die groteske Autofixierung, die kriminellen Machenschaften der Autoindustrie und dass die Politik wegschaut. Aber auch die überzogene Erwartung von Autofahrern, jederzeit und überall einen Parkplatz serviert zu bekommen. Darüber kocht in mir ein großer Zorn.“
„Die seit Jahrzehnten betriebene Gehirnwäsche mit dem Auto als Freiheit verheißenden Fixpunkt ist offenbar nicht schnell zu therapieren. Wir vergiften uns selbst“, sagt er angesichts der hohen Abgaswerte in den Städten. „Aber das wird stoisch hingenommen, weil die Autofixierung längst zum Normalzustand geworden ist.“
https://www.zeit.de/mobilitaet/2017-07/autos-zukunft-autofixierung-deutschland-abgaswerte-stephan-rammler
Rammler ist Professor für Transportation Design an der Braunschweiger Hochschule für Bildende Künste.
„Das Auto ist ein volks- wie betriebswirtschaftlich geradezu ‚dummes‘ Produkt.“ (Rammler, Stephan, Volk ohne Wagen. Buchrücken und Seite 29)

Autokalypse now. Songtext

Songtext „Autokalypse Now!”
Von Willy Astor. Wilhelm Gottfried „Willy“ Astor (* 1961 in München) ist ein deutscher Kabarettist, Musiker und Komponist.

Da Schorsch fahrt sehr gern forsch
durch ueberlebensgrosse Pfuetzen
und freut sich, wenn diesselben auf

ei Schorschi, pfiadde Ciao!

Robert Havemann 1977

Robert Havemann: Berliner Schriften, Erste Auflage 1977. Auf Seite 50 sinngemäß:
Der Kapitalismus schlittert in eine Krise hinein, weil er unfähig ist, in die Zukunft zu schauen. Jeder Kapitalist, aber auch jeder Konsument denkt nur an seinen momentanen Vorteil. Keiner denkt weiter. Aus Sicht der späteren Geschlechter muss dies Art des Wirtschaftens als reiner Wahnsinn erscheinen. Unsere Nachfahren werden nicht gut auf uns zu sprechen sein. Sie werden gezwungen sein, von dem Müll zu leben, den wir hinterlassen haben.
Das Auto ist ein hochwertiges Industrieprodukt, das zu 95% seiner Lebenszeit unbenutzt herumsteht und den Raum vollstellt. Es existiert in solchen Massen, dass es zu bestimmten Zeiten die Straßen so verstopft, dass man zu Fuß schneller vorankommt.

Rolf Schneider. Der Verbrennungsmotor und die „Heilige Kuh auf vier Rädern“

Rolf Schneider: „Denkt endlich an die Enkel! Eine letzte Warnung, bevor alles zu spät ist“, 2019 (Rowohlt, 79 S., acht Euro)
Auszug aus einer Buchbesprechung im General-Anzeiger 26.7.2019, Bonn von GA-Redakteur Dietmar Kanthak
„Der Autor hat das Buch seinen 14 Enkeln und Urenkeln gewidmet, er hat mit den zwölf Kapiteln aber das ganze Volk im Blick. Es beginnt mit der Lust am Luxus und mit der aus Schneiders Sicht damit programmierten Lust am Untergang und es endet mit der „Kraft des Entsetzens“. Dazwischen geißelt Schneider unsere „Heilige Kuh auf vier Rädern“ und das ungehemmte Bevölkerungswachstum. Er beklagt schwindende Ressourcen und polemisiert gegen Verschwendung und Umweltverschmutzung. Nachhaltigkeit, glaubt er, lügen wir uns vor. Wachstum beten wir an, und vom maßlosen Tourismus wollen wir nicht lassen, setzt er nach. Das Kapitel „Was uns droht“ eröffnet er mit den Worten: „Krieg natürlich!“ – der „Endkampf ums Essen, ums Trinken, um Rohstoffe, um den letzten freien Raum“. Schneiders Engagement und sein leidenschaftlicher Ton lassen keinen Leser gleichgültig. Das Thema „Wie geht es mit der Menschheit weiter? “ beschäftigt ihn seit rund 60 Jahren. Dabei muss er sich mitunter gefühlt haben wie Sisyphus. Die durchschlagende Wirkungslosigkeit vieler seiner warnenden Worte hat seinen Aufklärungsfuror nie erlahmen lassen. 1966 erschien in der „Süddeutschen Zeitung“ Schneiders Leitartikel „Tod dem Verbrennungsmotor“. Und er brennt noch immer.“

Karl und Berta Benz

Im August 1888 fährt Bertha Benz mit dem von ihrem Mann Carl Benz konstruierten Patent-Motorwagen zusammen mit ihren beiden Söhnen von Mannheim nach Pforzheim. Wenige Tage später geht es zurück nach Mannheim. Diese erste Fernfahrt in der Geschichte des Automobils gilt als Pioniertat. Bertha Benz entscheidet sich, eine ausgedehnte Probefahrt zu absolvieren, um ihrem Mann Mut zu machen und ihm die Tauglichkeit und Zukunftsfähigkeit seiner Erfindung zu beweisen – allerdings ohne ihn vorher darüber zu informieren. Ein Ziel für die Fahrt hat sie auch schon: Pforzheim, ihre Geburtstadt.
Anfang August, mit Beginn der Schulferien, ist es soweit. Bertha Benz weiht ihre Söhne Eugen und Richard in den Plan ein. Mutter und Söhne gehen am frühen Morgen vorsichtig zu Werke. Das Gefährt wird leise aus der Werkstatt geschoben und erst in sicherer Entfernung vom Haus angelassen – durch Drehen des waagerecht liegenden Schwungrades. Auf den Küchentisch, so ist überliefert, legen sie einen Zettel für den noch schlafenden Carl mit einer offen formulierten Nachricht, dass sie auf dem Weg nach Pforzheim sind – kein Wort von der „Probefahrt“. Er wird später das Fehlen des Motorwagens feststellen und wissen, dass seine Lieben nicht mit der Eisenbahn gefahren sind.
https://media.daimler.com/marsMediaSite/de/instance/ko/August-1888-Bertha-Benz-unternimmt-die-erste-Fernfahrt-der-Welt-mit-einem-Automobil.xhtml?oid=9361401

General-Anzeiger 4./5.Mai 2019
Ein Schatten in ihrer Biografie ist Berthas Einstellung zu Hitler. Zu ihrem 85. Geburtstag schickt ihr Hitler, in dem sie den Retter Deutschlands sieht, ein handsigniertes Foto. Sie bedankt sich in „aufrichtiger Verehrung“. Erst als 1939 die Panzer rollen, wacht sie auf. In den Bombennächten bedauert sie die Erfindung des Motors. An diese Entwicklung habe ihr Mann nicht gedacht. Ihr Enkel fällt an der Front. Bertha will sterben.
Zwei Tage nach ihrem 95. Geburtstag, am 5. Mai 1944, stirbt sie. Ein badisch-heimatliches „Alla“ („Auf geht’s“) soll ihr letztes Wort gewesen sein.